Fitnessstudio to go: Sling Training im Sportunterricht
Ein Gastbeitrag von Yvonne Schwesig und Christopher Pulina
Ein Fitnessstudio, das in eine Tasche passt? Der Sling Trainer kommt diesem Bild ziemlich nahe. Zwei bewegliche Schlingen genügen, um Beine, Rumpf und Oberkörper zu kräftigen. Das Gerät lässt sich in der Sporthalle, auf dem Schulhof oder an einem geeigneten Platz im Freien einsetzen. Der Platz zum Verstauen ist minimal. Man kann das Seil an jedem Ast befestigen. Gerade für den Sportunterricht ist jedoch ein anderer Punkt wichtiger: Fast jede Übung kann so verändert werden, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen an derselben Aufgabe arbeiten. Und als Projektidee lässt es sich auch toll umsetzen.
Beim Sling Training bewegt der Körper nicht nur das eigene Gewicht. Er muss gleichzeitig die instabilen Seile kontrollieren. Dadurch werden Kraft, Körperspannung, Gleichgewicht und Koordination miteinander verbunden. Die Schlingen geben außerdem eine unmittelbare Rückmeldung: Wird die Bewegung hektisch oder verliert der Körper seine Stabilität, beginnen die Seile sichtbar zu schwanken.
Das macht den Sling Trainer zu einem interessanten Lerngegenstand. Es geht nicht darum, möglichst spektakuläre Übungen zu zeigen. Die zentrale Frage lautet vielmehr: „Wie finde ich eine Variante, die mich fordert, aber weiterhin kontrolliert ausgeführt werden kann?„
Das Unterrichtsvorhaben auf einen Blick
| Bereich | Umsetzung |
|---|---|
| Zielgruppe | Jahrgangsstufen 8 bis 13 |
| Umfang | Sechs Doppelstunden; optional ergänzt durch den Bau eines eigenen Sling Trainers |
| Schwerpunkte | Funktionelles Krafttraining, Bewegungsqualität, Belastungssteuerung, Differenzierung und selbstständige Trainingsplanung |
| Organisation | Partnerarbeit, Stationstraining, individualisiertes Training und Präsentation eines eigenen Zirkels |
| Lernorte | Sporthalle sowie geeignete und vorab geprüfte Bereiche auf Schulhof oder Sportplatz |
Sling Trainer selbst bauen: eine praktische Projektidee
Das Video zeigt Schritt für Schritt, wie sich ein einfacher Sling Trainer mit wenigen, kostengünstigen Materialien selbst herstellen lässt. Der Bau eignet sich nicht nur als Vorbereitung auf die Unterrichtsreihe, sondern auch als eigenständige Projektidee – etwa in Kooperation mit Technik, Arbeitslehre oder im Rahmen eines Projekttages. So verbinden die Schülerinnen und Schüler praktisches Arbeiten mit Fragen zu Funktion, Belastbarkeit, Sicherheit und Training.
Material- und Bezugliste:
Natürlich kann man die Slingtrainer für relative wenig Geld auch käuflich erwerben. Gerade die Discounter bieten oft vernünftige Geräte an. Ein wirklich gutes – weil einfaches – Gerät* gibt es bereits für ca. 39€. auch. Einen eigenen Sling Trainer zu bauen allerdings, verschafft den Schüler:innen viel Motivation, den Umgang mit diesem Gerät zu erlernen. Es empfiehlt sich jedoch, den Bau zeitlich auszugliedern und z. B. an einem Projekttag in Kooperation mit einer Techniklehrkraft stattfinden zu lassen. Der Bau eines solchen Sling Trainers beansprucht mindestens drei bis vier Unterrichtsstunden. Folgende Materialien werden gebraucht:
Materialliste öffnen
| Anzahl/Menge | Material | Kosten |
|---|---|---|
| 4 m | Seil, 10 mm Durchmesser*, oder ein altes Kletterseil | ca. 3,20€ bei 50m Rolle |
| 2 × 1,5 m | Seil, 4 mm Durchmesser* oder Seil 6mm Durchmesser* | ca. 0,60€ bei 18€/ 100m ca. 18€ 50m |
| 50 cm | Schaumstoffrohr/ Rohrisolierung* | ca. 1€ bei 2€/m |
| 2 × 90 cm | Breites Polyesterband* | je nach Breite, ca. 0,50€/m |
| 1 × 70 cm | Breites Polyesterband* | ca. 1,20€/m |
| 40 cm | Gummischlauch oder Wasserohr Verlegeleitung ca. 25mm | ca. 0,50€ bei 1,20€/m |
| 1 | Teppichmesser* | ca. 2€/ Stck |
| 1 | Schere* | 2€/Stck |
| 1 | Feuerzeug* oder Lötkolben | |
| 1 | Maßband* | ca. 8€ |
| Gesamt | ca. 7€/ Stck |
Mehr als Krafttraining
Die frei beweglichen Schlingen machen aus bekannten Übungen neue Bewegungsaufgaben. Eine Kniebeuge bleibt grundsätzlich eine Kniebeuge, eine Zugbewegung bleibt eine Zugbewegung. Gleichzeitig muss der Körper nun jedoch verhindern, dass die Seile ausweichen oder die eigene Position instabil wird. Schon kleine Veränderungen können deshalb große Wirkung haben.
Wird der Körperwinkel verändert, steigt oder sinkt der Anteil des eigenen Körpergewichts, der bewegt werden muss. Ein breiter Stand gibt Sicherheit, ein enger Stand erhöht die koordinative Anforderung. Auch die Höhe der Schlingen, der Bewegungsumfang und das Tempo beeinflussen die Belastung.
Diese Anpassbarkeit ist die didaktische Stärke des Geräts. Die gesamte Lerngruppe kann an einem gemeinsamen Bewegungsproblem arbeiten, ohne dass alle exakt dieselbe Variante ausführen müssen.
Sicherheit und Bewegungsqualität zuerst
Bevor ein Stationstraining beginnt, brauchen die Lernenden wenige, aber verbindliche Regeln. Besonders wichtig ist, dass Schwierigkeit nicht mit Qualität verwechselt wird. Eine Übung ist nicht deshalb gut, weil sie kompliziert aussieht oder besonders anstrengend ist.
| Grundregel | Worauf kommt es an? |
|---|---|
| Weiteratmen | Keine Pressatmung; während der Belastung gleichmäßig ausatmen und weiteratmen. |
| Rumpf stabilisieren | Bauch- und Rückenmuskulatur aktivieren und Becken sowie Wirbelsäule kontrolliert ausrichten. |
| Langsam bewegen | Ohne Schwung arbeiten; die Bewegung bewusst hin- und zurückführen. |
| Bodenkontakt halten | Mindestens ein Körperteil bleibt am Boden. Vollständig freies Hängen wird vermieden. |
| Qualität vor Schwierigkeit | Bei Kontrollverlust, Schmerzen oder deutlich unsauberer Ausführung wird die Übung vereinfacht oder beendet. |
| Gerät prüfen | Seile, Schlaufen, Griffe und Befestigungspunkte werden vor jeder Nutzung kontrolliert. |
Vom Ausprobieren zum eigenen Trainingszirkel
Der Einstieg darf neugierig machen. Ein unbekanntes Gerät wird gezeigt, möglicherweise ergänzt durch ein kurzes Video. Die Leitfrage ist bewusst offen: Wie kann man mit zwei Schlingen den ganzen Körper trainieren?
In Zweiergruppen übertragen die Lernenden bekannte Fitnessbewegungen auf den Sling Trainer. Aus Kniebeugen, Zugbewegungen, Stützpositionen und Übungen für die Körpermitte entsteht ein erster gemeinsamer Übungspool. Anschließend werden sichere Ausgangspositionen und zentrale Bewegungskriterien gesammelt.
In der nächsten Phase geht es nicht um immer neue Übungen, sondern um Varianten. Die Lernenden verändern den Körperwinkel, die Unterstützungsfläche oder den Bewegungsumfang und beobachten, wie sich die Belastung verschiebt. Dabei wird schnell deutlich: Schon wenige Zentimeter können darüber entscheiden, ob eine Übung kaum fordert oder technisch nicht mehr beherrscht wird.
Die passende Belastung finden
Für ein gesundheitsorientiertes Basistraining können zunächst zwölf bis fünfzehn kontrollierte Wiederholungen genügen. Bei den instabilen Schlingen kann bereits ein sorgfältig ausgeführter Satz deutlich fordern. Entscheidend bleibt aber, wie die Belastung erlebt wird.

Eine einfache sechsstufige Skala hilft den Lernenden, ihr Empfinden zu beschreiben. Die Stufen 3 und 4 markieren den gewünschten Bereich: Die Übung ist spürbar anstrengend, bleibt aber technisch kontrollierbar.
Die Lernenden führen zunächst einen Probesatz durch, bewerten anschließend ihr Belastungsempfinden und verändern die Übung. Ein zweiter Satz zeigt, ob die Anpassung funktioniert hat. Auf diese Weise wird Belastungssteuerung nicht nur erklärt, sondern unmittelbar erfahren.
Differenzierung ohne getrennte Aufgabenwelten
Der Sling Trainer ermöglicht Differenzierung, ohne die Lerngruppe in völlig verschiedene Unterrichtsangebote aufzuteilen. Alle können an derselben Grundbewegung arbeiten. Die Anpassung erfolgt innerhalb der Übung:
- über den Abstand zum Befestigungspunkt,
- über den Körperwinkel,
- über einen breiteren oder engeren Stand,
- über ein- oder beidarmige beziehungsweise ein- oder beidbeinige Varianten,
- über den Bewegungsumfang,
- über das Bewegungstempo,
- bei sicher beherrschter Grundbewegung auch über zusätzliche koordinative Anforderungen.
Für weniger erfahrene Schülerinnen und Schüler steht zunächst eine stabile Ausgangsposition im Vordergrund. Fortgeschrittene können die Unterstützungsfläche verkleinern oder anspruchsvollere Varianten wählen. Partnerfeedback, laminierte Stationskarten und kurze Videosequenzen unterstützen die selbstständige Arbeit.
Vom persönlichen Ziel zum eigenen Zirkel
Nach den ersten Bewegungserfahrungen formulieren die Lernenden ein Trainingsziel. Das kann die allgemeine Kraft, die Kraftausdauer, die Rumpfstabilität, die Koordination oder ein ausgewogenes Ganzkörpertraining sein. Anschließend wählen sie Übungen aus und entwickeln daraus einen eigenen Zirkel.
Ein guter Zirkel besteht nicht aus möglichst vielen Übungen. Er braucht eine nachvollziehbare Auswahl, eine sinnvolle Reihenfolge und Anpassungsmöglichkeiten. Zu jeder Station sollten eine leichtere und eine schwierigere Variante beschrieben werden. Ebenso wichtig sind wenige klare Bewegungskriterien und eine realistische Wiederholungszahl.
Zum Abschluss werden die Trainingszirkel präsentiert und praktisch erprobt. Die Lerngruppe beurteilt nicht nur die Anstrengung, sondern auch die technische Ausführung, die Passung zum Trainingsziel, die Sicherheit und die Qualität der Differenzierung.
Kann wirklich jede und jeder mitmachen?
Der Sling Trainer hat einen hohen Aufforderungscharakter, ist aber nicht automatisch für alle in derselben Form geeignet. Die Instabilität kann motivieren, sie kann unerfahrene Lernende jedoch auch überfordern. Muskelzittern, unruhige Seile oder Gleichgewichtsprobleme sind wichtige Rückmeldungen. Sie zeigen, dass die stabilisierende Muskulatur arbeitet – oder dass eine Variante zu schwierig gewählt wurde.
Die entscheidende pädagogische Leistung besteht deshalb in der Anpassung. Wird die Übung so verändert, dass sie fordert und gleichzeitig kontrollierbar bleibt, kann der Sling Trainer auch für motorisch sehr unterschiedliche Lerngruppen ein gemeinsamer Lerngegenstand sein.
Unterrichtsmaterial zum Download
Die vollständige Unterrichtsübersicht mit Sicherheitsregeln, sechsteiliger Unterrichtsreihe, Belastungsskala, Differenzierungsmöglichkeiten, Bewertungsrastern und kopierfähigen Arbeitsblättern steht als PDF zur Verfügung.
Exkurs: Wo befestigen??
Wo kann man in der Halle den Slingtrainer befestigen? Welche Gefahren gibt es? Was ist vertretbar? Eine unverbindliche Berechnungshilfe und Abwägungen. Klicken Sie hier unten auf den Kasten um den Text zu öffnen
Mehr lesen: Wo kann ein Sling Trainer befestigt werden – und welche Zugkräfte entstehen?
Welche Zugkräfte entstehen beim Sling Training?
Beim Sling Training hängt in der Regel nicht das vollständige Körpergewicht am Befestigungspunkt. Ein Teil der Gewichtskraft wird weiterhin über die Füße oder Hände in den Boden übertragen. Wie groß der Anteil am Sling Trainer ist, hängt insbesondere von der Körperposition und dem Neigungswinkel ab.
Einen wissenschaftlichen Anhaltspunkt liefert die Untersuchung Resistance Characteristics of the TRX Suspension Training System at Different Angles and Distances from the Hanging Point von Don Melrose und Jay Dawes. Es handelt sich nicht um eine Sicherheits- oder Belastbarkeitsstudie für Sporthallengeräte, sondern um eine Untersuchung der Trainingslast beim TRX-System.
In der Studie wurden 40 weibliche und männliche Studierende untersucht. Das Trainingssystem war an einem Dynamometer befestigt. Die Teilnehmenden hielten sich mit gestreckten Armen in verschiedenen Rückneigungswinkeln. Dabei wurden folgende durchschnittliche Belastungsanteile gemessen:
| Abweichung von der Senkrechten | Gemessener Anteil der Körpermasse | Einordnung |
|---|---|---|
| 30° | 37,44 % | Eher aufrechte Zugposition |
| 45° | 52,88 % | Mittlere Neigung |
| 60° | 68,08 % | Deutlich zurückgelehnte Position |
| 75° | 79,38 % | Sehr flache und anspruchsvolle Position |
Wichtig: Diese Werte wurden in statischen Haltepositionen ermittelt. Die Studie untersucht weder Schulkinder noch ruckartige Bewegungen, Stürze, Sprünge, unterschiedliche Übungsformen oder die Belastbarkeit von Barren, Reck, Sprossenwand beziehungsweise Handballtor.
Berechnung der statischen Zugkraft
Die überschlägige Zugkraft am Befestigungspunkt kann aus Körpermasse, Erdbeschleunigung und dem gemessenen Lastanteil berechnet werden:
Zugkraft F = Körpermasse m × 9,81 m/s² × Lastanteil
Beispiel: Eine Person mit 70 kg Körpermasse trainiert in einer Position, bei der ungefähr 68,08 % der Körpermasse auf den Sling Trainer wirken.
F = 70 kg × 9,81 m/s² × 0,6808
F ≈ 468 N
468 N entsprechen ungefähr der Gewichtskraft einer Masse von 47,7 kg. Diese Umrechnung dient nur der Anschaulichkeit. Physikalisch korrekt wird die Belastung als Kraft in Newton angegeben.
Beispielwerte für unterschiedliche Körpermassen
| Körpermasse | 30° / 37,44 % | 45° / 52,88 % | 60° / 68,08 % | 75° / 79,38 % |
|---|---|---|---|---|
| 50 kg | ca. 184 N | ca. 259 N | ca. 334 N | ca. 389 N |
| 70 kg | ca. 257 N | ca. 363 N | ca. 468 N | ca. 545 N |
| 90 kg | ca. 331 N | ca. 467 N | ca. 601 N | ca. 701 N |
Bei kontrollierten Zugübungen von Schülerinnen und Schülern liegt die statische Zugkraft damit häufig grob zwischen 200 und 600 N. Bei schweren Personen und sehr flachen Positionen können etwa 700 N erreicht werden.
Dynamische Spitzenlasten
Langsame und technisch kontrollierte Übungen erzeugen vergleichsweise gleichmäßige Kräfte. Ruckartiges Zurücklehnen, Stolpern, Federn oder ein plötzliches Abfangen können jedoch kurzfristig höhere Belastungen verursachen.
Dafür liefert die genannte Untersuchung keinen gemessenen Dynamikfaktor. Ein Zuschlag von 1,5 bis 2,0 kann lediglich als vorsichtige überschlägige Modellannahme verwendet werden. Er ist kein experimentell belegter Grenzwert und keine sicherheitstechnische Freigabe.
Geschätzte Spitzenlast =
statische Zugkraft × angenommener Dynamikfaktor
Beispiel für eine 90 kg schwere Person bei einer sehr flachen Position:
| Annahme | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Statische Belastung | 90 × 9,81 × 0,7938 | ca. 701 N |
| Faktor 1,5 | 701 × 1,5 | ca. 1.051 N |
| Faktor 2,0 | 701 × 2,0 | ca. 1.402 N |
Ein richtiges Hineinspringen oder Fallen in die Gurte gehört nicht zum bestimmungsgemäßen Sling Training. Dabei könnten deutlich größere und kaum zuverlässig abschätzbare Stoßbelastungen entstehen.
Was bedeutet das für typische Sporthallengeräte?
Die reine Festigkeit eines Holmes oder Querträgers ist nur ein Teil der Beurteilung. Zusätzlich müssen Verbindungen, Bodenverankerung, Standsicherheit, Zugrichtung, Zustand und die gleichzeitige Nutzung durch mehrere Personen berücksichtigt werden.
| Befestigungspunkt | Praxisnahe Einschätzung | Entscheidender Prüfpunkt |
|---|---|---|
| Fest eingebautes Reck | Für kontrolliertes Sling Training grundsätzlich sehr plausibel, da Reckanlagen für erhebliche dynamische Turnbelastungen konstruiert sind. | Feste Verankerung, Zustand des Holmes, Verbindungen, Abrieb am Gurt und zulässige Zugrichtung |
| Fest montierte Sprossenwand | In der Schulpraxis häufig gut nutzbar, besonders bei Befestigung nahe einem Seitenholm und Verteilung auf mehrere Felder. | Wandbefestigung, Zustand der Sprossen und Vermeidung unnötig hoher Biegemomente in der Mitte einer einzelnen Sprosse |
| Barrenholm | Bei standsicher aufgebautem Barren und kontrollierter Zugrichtung grundsätzlich realistisch. | Sling möglichst nahe am Ständer befestigen, Verschieben oder Kippen des gesamten Barrens vermeiden |
| Handballtor | Der Querträger ist häufig nicht der kritische Punkt. Entscheidend ist die sichere Verankerung des gesamten Tores. | Kippsicherung, Bodenverankerung und horizontales Kippmoment |
| Fester Querträger | Je nach Konstruktion sehr gut geeignet. | Tragstruktur, Befestigung, Oberfläche und Freigabe für die auftretende Zugrichtung |
| Mobile oder ungesicherte Geräte | Nicht allein aufgrund eines stabil wirkenden Holmes verwenden. | Gesamtstabilität, Kippgefahr und Verschieben unter schräger Zugbelastung |
Das Handballtor als Beispiel für ein Kippmoment
Bei einem Handballtor wirkt die Kraft am Querträger in ungefähr zwei Metern Höhe. Eine überwiegend horizontale Zugkraft erzeugt deshalb ein Kippmoment:
Kippmoment M = Zugkraft F × Höhe h
| Zugkraft | Angriffshöhe | Rechnerisches Moment |
|---|---|---|
| 500 N | 2 m | 1.000 Nm |
| 1.000 N | 2 m | 2.000 Nm |
Diese Berechnung sagt noch nicht, ob ein bestimmtes Tor ausreichend gesichert ist. Dazu müssten unter anderem Verankerung, Aufstandsfläche, Eigengewicht, Konstruktion und Zugrichtung bekannt sein.
Mehrere Sling Trainer an einem gemeinsamen Gerät
Trainieren mehrere Personen gleichzeitig an demselben Querträger, müssen ihre Kräfte gemeinsam betrachtet werden. Bei vier Personen mit jeweils ungefähr 500 N ergäbe sich im ungünstigen Fall:
4 × 500 N = 2.000 N
Mit einem rein rechnerischen Zuschlag von 1,5 ergäbe sich eine geschätzte kurzzeitige Gesamtbelastung von 3.000 N. Dies setzt voraus, dass alle Kräfte gleichzeitig und annähernd in dieselbe Richtung wirken. In der Praxis können sich Richtung und Zeitpunkt unterscheiden. Für eine vorsichtige Beurteilung sollte jedoch nicht darauf vertraut werden, dass sich Kräfte gegenseitig aufheben.
Praxischeck vor dem Unterricht
| Prüffrage | Zu kontrollieren |
|---|---|
| Ist das Gerät fest und standsicher? | Bodenverankerung, Verriegelungen, Feststeller und Kippsicherung |
| Ist der Befestigungspunkt unbeschädigt? | Risse, Verformungen, lockere Schrauben, beschädigte Schweißnähte oder Holzbauteile |
| Ist die Zugrichtung plausibel? | Keine Belastung, die das Gerät aus seiner Halterung zieht, seitlich kippt oder unzulässig verdreht |
| Ist der Gurt geschützt? | Keine scharfen Kanten, Quetschstellen oder stark scheuernden Oberflächen |
| Ist ausreichend Bewegungsraum vorhanden? | Abstand zu Wänden, Geräten, anderen Gruppen und Verkehrswegen |
| Ist die Nutzung kontrolliert? | Langsame Bewegung, kein Springen, kein Schwingen und kein Fallenlassen in die Gurte |
| Ist die Mehrfachnutzung vertretbar? | Zahl der Lernenden, gemeinsame Belastungsrichtung und Verteilung auf mehrere Befestigungspunkte |
Ausdrücklicher Haftungs- und Sicherheitshinweis
Sämtliche Berechnungen, Lastwerte und Einschätzungen in diesem Beitrag sind unverbindliche, vereinfachte und praxisnahe Überschlagsrechnungen. Sie ersetzen weder eine statische Berechnung noch Herstellerangaben, eine Gefährdungsbeurteilung, eine technische Prüfung, eine Freigabe des Schulträgers oder die fachliche Beurteilung des konkreten Sportgerätes.
Die Ergebnisse der TRX-Untersuchung beziehen sich auf statische Positionen erwachsener Studierender an einem speziellen Trainingssystem. Ihre Übertragung auf Schülerinnen und Schüler, dynamische Übungen oder Sporthallengeräte ist nur eine näherungsweise Modellbildung. Insbesondere der verwendete Dynamikfaktor von 1,5 bis 2,0 ist keine aus der Studie abgeleitete oder normativ bestätigte Sicherheitsgröße.
Jede Lehrkraft muss vor der Verwendung selbst prüfen, ob der konkrete Befestigungspunkt, das gesamte Gerät, dessen Verankerung und die geplante Nutzung geeignet sind. Dabei sind der aktuelle Zustand, die Herstellerhinweise, schulinterne Regelungen, die Vorgaben des Schulträgers und die geltenden Bestimmungen zur Sicherheitsförderung im Schulsport zu beachten.
Der Seitenbetreiber und die Autorinnen beziehungsweise Autoren übernehmen keine Verantwortung oder Haftung für Schäden, Unfälle oder Fehlanwendungen, die aus der Übernahme der dargestellten Berechnungen, Einschätzungen oder Praxisbeispiele entstehen.
Bestehen Zweifel an der Eignung eines Gerätes oder einer Befestigung, ist die Nutzung bis zur Klärung zu unterlassen. Für eine belastbare Einzelfallprüfung sollten der Schulträger, eine befähigte Prüfperson, der Hersteller, die Unfallkasse NRW oder die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung einbezogen werden.
Quellen und fachliche Anlaufstellen
Studie zur Belastung am TRX-System:
Melrose, D.; Dawes, J.: Resistance Characteristics of the
TRX Suspension Training System at Different Angles and
Distances from the Hanging Point. Journal of Athletic
Enhancement, 2015.
Zusammenfassung und Studienangaben öffnen
DGUV Information 202-044:
Sportstätten und Sportgeräte – Hinweise zur Sicherheit und
Prüfung
DGUV-Publikation als PDF öffnen
Unfallkasse NRW – Bewegung, Spiel und Sport:
Fachbereich und Ansprechpersonen der Unfallkasse NRW öffnen
Portal „Sichere Schule“:
Prüfung von Geräten und Einrichtungen in Sporthallen
Hinweise zur Prüfung von Sportgeräten öffnen
Rechtsgrundlage NRW:
BASS 18-23 Nr. 2 – Sicherheitsförderung im Schulsport
Fazit
Sling Training ist mehr als eine Abfolge moderner Fitnessübungen. Richtig eingesetzt verbindet das Gerät praktische Bewegungserfahrung mit Trainingswissen, Selbstwahrnehmung und eigenständiger Belastungssteuerung. Die Lernenden erfahren, dass ein sinnvolles Training nicht an einer festen Übungsvorgabe hängt. Es entsteht dort, wo eine Bewegung zum eigenen Leistungsstand, zum Trainingsziel und zu einer kontrollierten Ausführung passt.
Über die Autoren
Yvonne Schwesig ist Lehrerin an der Willy-Brandt-Gesamtschule in Castrop-Rauxel.
Christopher Pulina ist Lehrer am St.-Ursula-Gymnasium in Brühl.
