Der erste Kopfsprung – Für manche Schülerinnen und Schüler kostet das wirklich Überwindung. Hier bietet sich eine kleine methodische Übungsreihe und ein Stationenlernen an. Hier finden Sie kostenlose Stationskarten, auch versehen mit Beobachtungsaspekten zum kostenlosen Download.
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Die Stationen zum Erlernen des Kopfsprungs:
Vorübungen: 1. Pfeilhaltung und 2. ins Wasser gleiten

Station 1: Aus dem Randsitz kippen

Hier ein gutes Video
Station 2: Aus dem Kniesitz kippen –> wenn das klappt aus dem Kniestand


Progression: Von Versuch zu Versuch wird aus immer weiter in die Beinstreckung gegangen. Vom Kniesitz zum Kniestand
Hier ein gutes Video
Station 3: Aus der Hocke eintauchen


Hier ein gutes Video
Station 4: Aus dem (Halb-) Stand vom Beckenrand

Hier ist die Progression klar: Man startet eher im Halbstand mit gebeugten Beinen und streckt sie von mal zu mal mehr bis zur vollständigen Streckung
Hier ein gutes Video
Station 5: Kopfsprung vom Startblock


Methodische Hinweise:
Die Stationskarten können sie alle einzeln drucken oder das PDF komplett downloaden. Es empfiehlt sich die Stationskarten nach Möglichkeit zu laminieren*, so bleiben sie gegen Spritzwasser geschützt und können direkt am Beckenrand mehrfach verwendet werden. Die Bewegungsaufgaben lassen sich durch gut sichtbare Zielmarkierungen unterstützen. Eine Poolnudel kann knapp über der Wasseroberfläche gehalten werden, sodass sich die Kinder darüber hinweg nach vorn strecken. Bei Stationen, an denen ein gezieltes Eintauchen angestrebt wird, eignen sich Tauchringe oder andere deutlich erkennbare Markierungen auf dem Beckenboden*.
Viele Kinder neigen dazu beim Kopfsprung, den Kopf in der Flugphase nach oben zu nehmen, was zu einem flachen Aufprall des Bauches auf das Wasser führt. Die Folge: Ein Bauchklatscher, Schmerzen, Angst.
Ein Kopfsprung ist eine bewegungstechnisch anspruchsvolle Bewegung und stellt insbesondere Schwimmanfänger regelmäßig vor große Probleme. Wenn dann daraus auch ein echter Startsprung werden soll wird es in einer Schwimmgruppe in Klassengröße oft schwierig. Um die Überwassergeschwindigkeit optimal in die Gleitphase mitzunehmen, bedarf es einer Vermittlungsmethode, die biomechanische Effizienz mit sportpädagogischer Sicherheit vereint.
Ängstliche Kinder sicher anleiten
Schlüsselsätze für ängstliche Kinder:
„Du entscheidest, wann du bereit bist“
„Es ist völlig normal, Angst zu haben“
„Konzentriere dich auf deine Arme – presse sie an die Ohren“
„Stell dir vor, du gleitest wie ein Pfeil durch ein Loch im Wasser“
- Das „Kopf-Arm-Sandwich“ als Schutzschild: Die feste Verriegelung der Hände und das Anpressen der Oberarme an die Ohren sichern das Gesicht vor hartem Wasserkontakt und verhindern Fehlhaltungen.
- Blickfixierung gegen den Kopfstellreflex: Das Auslegen eines Tauchrings auf den Beckenboden (1,5-2 m Entfernung) zwingt den Kopf in eine neutrale Position und verhindert das reflexive Anheben des Kopfes.
- Druckfreies Lernen & Selbstwirksamkeit: Stufenweise Annäherung, vertrauensbildende 1:1-Betreuung und der Verzicht auf starre Startsignale („Auf Pfiff“) nehmen den Leistungsdruck und bauen Wasser- sowie Höhenängste nachhaltig ab.
Wasserpädagogik & Angstbewältigung:
Klassische methodische Übungsreihe (MÜR):
Die Bewegung wird in kleine, möglichst sichere Schritte zerlegt. Die Kinder beginnen beispielsweise aus niedrigen Ausgangspositionen und steigern sich langsam. Das hilft besonders bei Angst, kann aber dazu führen, dass sie eher ins Wasser „fallen“, statt aktiv abzuspringen.
Induktiv-differenzierte Methode:
Die Schülerinnen und Schüler erproben unterschiedliche Ausgangspositionen, Absprünge und Flugbahnen. Dadurch entwickeln sie ein besseres Gefühl für Bewegung, Raum und Timing. Diese Methode verlangt jedoch bereits Mut, Körperspannung und eine sichere Organisation.
Syntheseweg:
Der Syntheseweg verbindet beide Ansätze. Sichere Vorübungen und Schutzpositionen werden mit einem zunehmend aktiven Absprung, gezielten Beobachtungsaufgaben und gegebenenfalls Video-Feedback kombiniert. Mit „neuro-motorischer Progression“ ist dabei ein schrittweiser Aufbau der Bewegungssteuerung gemeint. Der Track-Start bezeichnet eine Startposition auf dem Startblock mit versetzter Fußstellung.
Schlussfolgerung für den Sportunterricht
Für heterogene Lerngruppen ist ein kombinierter Weg am praktikabelsten. Ängstliche Kinder können mit niedrigen und kontrollierten Ausgangspositionen beginnen, während sicherere Schülerinnen und Schüler schneller zu dynamischen Absprüngen übergehen. Entscheidend ist, dass die Lernenden nicht zu lange bei passiven Kippbewegungen bleiben, sondern schrittweise einen aktiven Absprung, Körperspannung und ein gestrecktes Eintauchen entwickeln.
| Kriterium | A. Klassische Übungsreihe (MÜR) | B. Induktiv-Differenzierte Methode | C. Syntheseweg (Empfohlen) |
| Didaktischer Schwerpunkt | Zerlegung & Höhenreduktion | Variablenorientierte Flugparabel | Neuro-motorische Progression & Video/Analytik |
| Sicherheits- & Angstabbaufaktor | Sehr hoch (sehr kleine Schritte) | Mittel (erfordert Überwindung) | Exzellent (Kombination aus Schutzhaltung & Stufen) |
| Erfolgsquote (Technikerwerb) | Mittel (Gefahr des passiven „Fallens“) | Hoch (dynamischer Absprung) | Sehr hoch (> 90° sauberes Eintauchen) |
| Biomechanische Passung | Mäßig zu Beginn | Gut | Optimal (frühe Integration des Track-Starts) |
| Geeignet für | Stark ängstliche Anfänger | Fortgeschrittene/Mutige Kinder | Alle Zielgruppen (Heterogene Gruppen) |
| Vorteile | Minimiert Sturz- und Schmerzrisiko | Fördert Bewegungsgefühl & Raum-Zeit-Gefühl | Schnelle Automatisierung, kein Verharren in Fehlhaltungen |
| Nachteile | Zeitintensiv; Absprungdynamik wird spät gelernt | Risikoreicher bei unzureichender Rumpfspannung | Erfordert aufmerksamere Korrektur der Landhaltung |
Quellen & Belege
DLRG-Leitfäden: Konzepte zur stufenweisen Wassergewöhnung, Druckfreiheit und Förderung der Selbstwirksamkeit bei Kindern.
Biomechanik & Startleistungsanalyse:
BMS / FINA Study on Swimming Start Performance: Nachweis kürzerer Blockzeiten und höherer Abflugkraft beim Schrittstart/Kickstart.
Blanksby et al. (2000): Biomechanische Untersuchung von Flugphase, Eintauchwinkel und Widerstandskoeffizienten im Schwimmsport.
Sportwissenschaftliche Vermittlungslehre:
Examensskript Schwimmen (Uni Regensburg) & Sportunterricht.de: Phasengliederung, Überwindung des Kopfstellreflexes und Methodische Übungsreihen.
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