Wenn es an der Substanz scheitert: Das „Sportstätten-Monitor-Deutschland“-Projekt

Ein undichtes Hallendach in Nordrhein-Westfalen. Schimmel in einer Mehrzweckhalle in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Sportplatz, der wegen Schäden nicht mehr genutzt werden kann. Eine Turnhalle, deren Sanierung längst beschlossen ist und die trotzdem noch Monate oder Jahre weiter genutzt werden muss.

Wer nach solchen Fällen sucht, findet überraschend viel. Nur findet man es nicht an einem Ort.

Meldungen über marode Sportstätten verteilen sich auf kommunale Webseiten, Ratsunterlagen, Lokalzeitungen, Vereinsmeldungen und regionale Nachrichtenportale. Mal geht es um einen Wasserschaden, mal um Statik, Brandschutz, Schimmel, einen kaputten Hallenboden oder eine technische Anlage, die ihren Dienst aufgegeben hat.

Status: Deutschland hat einen erstaunlich lückenhaften Überblick darüber, was in seinen mehr als 220.000 Sportstätten aktuell tatsächlich los ist. Selbst der Versuch eines bundesweiten digitalen Sportstättenatlas stieß dort an Grenzen, wo aktuelle und belastbare Informationen zu Zustand und Nutzung gefragt waren. Wir lösen dieses Problem nicht – aber wir machen einen bislang schlecht sichtbaren Ausschnitt davon öffentlich sichtbar.

Genau deshalb starten wir auf Sportunterricht.eu den Sportstätten-Monitor Deutschland: ein laufend aktualisiertes Projekt, das öffentlich dokumentierte Probleme an Sportstätten sammelt, einordnet und auf einer Deutschlandkarte sichtbar macht.

Aus vielen lokalen Meldungen wird ein deutschlandweites Bild

Dabei interessiert uns nicht nur der spektakuläre Fall einer komplett gesperrten Sporthalle.

Auch eine Halle, die noch genutzt wird, obwohl bereits konkrete sicherheitsrelevante, bauliche oder technische Mängel festgestellt wurden, gehört für uns zum Bild. Ebenso interessant sind Sportstätten, bei denen eine umfangreiche Sanierung und eine monatelange Schließung bereits beschlossen sind.

Der Monitor unterscheidet deshalb zwischen aktuell geschlossenen, eingeschränkt nutzbaren und noch nutzbaren Sportstätten mit dokumentierten Problemen. Wird eine Sanierung angekündigt, begonnen oder abgeschlossen, soll auch das sichtbar werden.

Was zunächst wie ein kleines Kartenprojekt klingt, berührt inzwischen ein ziemlich großes politisches Thema.

Wie groß das Problem tatsächlich ist, weiß erstaunlicherweise niemand genau

Noch 2025 erklärte die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage, dass ihr keine vollständigen aktuellen Informationen zum Bestand und Zustand der deutschen Sportstätten und Schwimmbäder vorliegen.

Quelle: Deutscher Bundestag
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1103506

Eigentlich sollte genau hier der bereits erwähnte Digitale Sportstättenatlas Deutschland helfen. Das Projekt war bereits 2019 angestoßen worden und sollte Sportstätten bundesweit erfassen.

Im Juli 2026 folgte jedoch eine bemerkenswerte Nachricht: Der Bund verfolgt den länderübergreifenden Sportstättenatlas vorerst nicht weiter. Als Problem nennt die Bundesregierung unter anderem den fehlenden Zugriff auf die notwendigen Detailinformationen. Eine vollständige, valide und dauerhaft aktuelle bundesweite Datenbasis sei unter diesen Bedingungen nicht mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand herzustellen.

Quelle: Deutscher Bundestag
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1193996

Diese Datenlücke kann unser Projekt natürlich nicht schließen. Aber wir können einen anderen Weg gehen: nicht jede Sportstätte Deutschlands erfassen, sondern öffentlich dokumentierte Problemfälle sichtbar machen. Denn zwischen der Frage, wo sich eine Sportstätte befindet, und der Frage, ob dort aktuell tatsächlich Sport stattfinden kann, liegt ein entscheidender Unterschied. Genau diese zweite Ebene interessiert uns: konkrete Sperrungen, Einschränkungen, Schäden, Sanierungen und Wiedereröffnungen.

Der Sanierungsstau ist längst kein Randproblem mehr

Dass es sich nicht nur um einige besonders spektakuläre Hallensperrungen handelt, zeigen die Kommunen selbst.

In einer Sonderbefragung der KfW bezeichneten 59 Prozent der beteiligten Kommunen den Investitionsrückstand bei Sporthallen als gravierend oder nennenswert. Bei Hallenbädern waren es sogar 62 Prozent. Die Erhebung ist nicht repräsentativ – sie gibt aber einen deutlichen Hinweis darauf, wie verbreitet das Problem inzwischen ist.

Quelle: KfW
KfW Research: Kommunen unterstützen den Breitensport weiterhin stark | KfW

Noch aktueller ist das KfW-Kommunalpanel 2026. Der von den Kommunen wahrgenommene Investitionsrückstand über alle Infrastrukturbereiche hinweg ist demnach auf 231,2 Milliarden Euro gestiegen. Auffällig ist der Bereich Sport: Hier erhöhte sich der wahrgenommene Investitionsrückstand gegenüber dem Vorjahr allein um rund sechs Milliarden Euro.

Quelle: KfW Kommunalpanel 2026
KfW-Kommunalpanel: Kommunen wollen in diesem Jahr deutlich mehr investieren | KfW

Auch einzelne Bundesländer liefern inzwischen Zahlen, die die Größenordnung greifbarer machen. In Nordrhein-Westfalen beziffert der Landessportbund den Sanierungsbedarf kommunaler und vereinseigener Sportstätten auf rund 3,6 Milliarden Euro. In Hessen spricht der Landessportbund von mehr als zwei Milliarden Euro und davon, dass sich etwa jede fünfte Sportstätte in einem kritischen Zustand befindet.

Vergleichsweise detaillierte Zahlen liegen aus Thüringen vor: Dort wurden die Kommunen systematisch zum Zustand ihrer Sportstätten befragt. Rund 1.800 der etwa 4.500 Sportstätten, also etwa 40 Prozent, gelten als sanierungs- oder modernisierungsbedürftig. Der errechnete Investitionsbedarf liegt bei rund 1,3 Milliarden Euro. Zwei Drittel der Gemeinden meldeten mindestens einen sanierungs- oder modernisierungsbedürftigen Sportplatz.

Die Zahlen lassen sich allerdings nicht einfach gegeneinander ausspielen. Erhebungsmethoden, Definitionen, Einwohnerzahlen und Eigentumsstrukturen unterscheiden sich erheblich. Ein belastbares Ranking der „marodesten Bundesländer“ lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.

Was sich sehr wohl sagen lässt: Der Sanierungsstau ist kein regionales Einzelphänomen. Und die Größenordnung zeigt, dass die konkreten Sporthallen, Schwimmbäder und Sportplätze auf unserer Karte Teil eines wesentlich größeren Problems sind.

Die „Sportmilliarde“ zeigt, wie groß der Bedarf inzwischen ist

Inzwischen reagiert auch der Bund.

Für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ wurden in den Wirtschaftsplänen 2025 und 2026 insgesamt 916 Millionen Euro bereitgestellt: zweimal 333 Millionen Euro für kommunale Sportstätten sowie weitere 250 Millionen Euro speziell für Schwimmstätten.

Im politischen Sprachgebrauch ist deshalb häufig von der „Sportmilliarde“ die Rede.

Quelle: Deutscher Bundestag
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1166994

Besonders interessant ist allerdings nicht nur die Fördersumme, sondern die Nachfrage.

Für die erste 333-Millionen-Euro-Tranche der „Sportmilliarde“ gingen nach Angaben des zuständigen Bundesministeriums mehr als 3.600 Interessenbekundungen ein. Die beantragten Bundesmittel summierten sich auf mehr als 7,5 Milliarden Euro.

Quelle: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/01/Bundesprogramm_SKS.html

Im April 2026 wurden schließlich 314 Sportstätten für diese Förderrunde ausgewählt.

Quelle: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/04/sks.html

333 Millionen Euro Fördervolumen aus einer Tranche standen damit Anträgen über mehr als 7,5 Milliarden Euro gegenüber. Allein diese Relation vermittelt einen Eindruck davon, wie groß der Handlungsdruck vor Ort inzwischen ist.

Genau hier setzt unsere Heatmap an

Das Sportstätten-Monitor-Deutschland Projekt soll daraus keine Rangliste der schlechtesten Städte und Gemeinden machen. Er ist auch kein Pranger.

Uns interessiert etwas anderes: Wo treten Probleme auf? Was für Probleme sind es? Ist eine Sportstätte noch nutzbar? Wird bereits saniert? Ist eine spätere Sperrung angekündigt? Und verschwindet ein Fall auch wieder von der Karte, wenn eine Halle tatsächlich repariert und freigegeben wurde?

Der Monitor sucht regelmäßig nach öffentlich dokumentierten Fällen, gleicht neue Meldungen mit bereits bekannten Sportstätten ab und aktualisiert deren Status.

Aus vielen einzelnen Lokalnachrichten soll so nach und nach ein deutschlandweites Lagebild entstehen.

Eine Sportstätte fehlt? Dann helft uns!

Genau deshalb ist Mitarbeit und/oder Unterstützung ausdrücklich erwünscht.

Wer eine Sporthalle, ein Schwimmbad, einen Sportplatz oder eine andere Sportstätte kennt, bei der konkrete Probleme bestehen, kann sie direkt hier melden.

Besonders hilfreich sind:

  • Name und Ort der Sportstätte,
  • eine kurze Beschreibung des Problems,
  • wenn möglich ein Link zu einer kommunalen Mitteilung, einem Pressebericht, einer Vereinsinformation oder einer anderen nachvollziehbaren Quelle.

Und genauso wichtig: Wenn eine Halle wieder geöffnet oder ein Problem beseitigt wurde, möchten wir das ebenfalls wissen.

Denn die interessanteste Karte wäre am Ende nicht die mit immer mehr roten Flecken.

Sondern eine, auf der man auch sehen kann, wo Probleme tatsächlich wieder verschwinden.

Und trotzdem bleibt die Karte eine Auswahl

Das muss man bei der Interpretation unbedingt berücksichtigen.

Unser Sportstätten-Monitor ist keine amtliche Statistik und keine vollständige Erfassung aller maroden Sportstätten Deutschlands.

Wir können nur Fälle zeigen, die öffentlich dokumentiert, auffindbar und hinreichend konkret einer Sportstätte zuzuordnen sind. Manche Kommunen informieren sehr ausführlich über Schäden und Sanierungen, andernorts gelangen vergleichbare Probleme kaum an die Öffentlichkeit.

Eine hohe Zahl von Markierungen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Bundesland schlechtere Sportstätten besitzt als ein anderes.

Die Heatmap zeigt vielmehr: laufend aktualisierte, öffentlich dokumentierte Probleme an Sportstätten in Deutschland – Nicht mehr – aber auch nicht weniger.


Quellen

Deutscher Bundestag – Informationen zu Bestand, Zustand und Sanierungsbedarf von Sportstätten
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1103506

Deutscher Bundestag – Digitaler Sportstättenatlas wird vorerst nicht weiterverfolgt
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1193996

KfW – Investitionsrückstand bei Sporthallen und Hallenbädern
KfW Research: Kommunen unterstützen den Breitensport weiterhin stark | KfW

KfW – Kommunalpanel 2026
KfW-Kommunalpanel: Kommunen wollen in diesem Jahr deutlich mehr investieren | KfW

Deutscher Bundestag – Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ / Sportmilliarde
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1166994

Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen – mehr als 3.600 Interessenbekundungen und über 7,5 Milliarden Euro beantragte Bundesmittel
https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/01/Bundesprogramm_SKS.html

Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen – 314 ausgewählte Sportstätten
https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/04/sks.html

DOSB – „Ohne Sportstätten kein Sport“
https://www.dosb.de/aktuelles/news/detail/ohne-sportstaetten-kein-sport

Nordrhein-Westfalen – Landessportbund NRW, 22.10.2025: Sanierungsbedarf bei Sportstätten von rund 3,6 Milliarden Euro.
https://www.lsb.nrw/medien/news/artikel/nrw-plan-kuendigt-600-millionen-euro-fuer-sportstaetten-an

Hessen – Landessportbund Hessen, 06.08.2025: „Jede fünfte hessische Sportstätte“ in kritischem Zustand; Sanierungsstau bei kommunalen und vereinseigenen Sportstätten mehr als zwei Milliarden Euro.
https://www.landessportbund-hessen.de/geschaeftsfelder/kommunikation-und-marketing/pressemitteilungen/pressemeldung/bundes-sondervermoegen-lsb-h-fordert-zehnprozentigen-anteil-fuer-sportstaetten/

Thüringen – Landessportbund Thüringen, 29.01.2025:1.800 von rund 4.500 Sportstätten = 40 % sanierungs- oder modernisierungsbedürftig; Investitionsstau 1,3 Milliarden Euro; zwei Drittel der Gemeinden melden mindestens einen betroffenen Sportplatz.
https://www.thueringen-sport.de/news/news-details/news/40-prozent-der-thueringer-sportstaetten-gelten-als-sanierungs-oder-modernisierungsbeduerftig/

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RD

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