
Wer heute in Fortbildungen oder in diversen Veranstaltungen zur Sportlehrerinnen- und Sportlehrerausbildung zuhört, könnte meinen, die klassische „Methodische Übungsreihe“ sei als Modell veraltet. Zu starr, zu isoliert vom tatsächlichen Spielgeschehen und wenig motivierend für Schülerinnen und Schüler – so die gängige Kritik. Als moderne Alternativen werden stattdessen meist spiel- und taktikorientierte Ansätze wie Teaching Games for Understanding oder das Taktik-Spiel-Modell empfohlen.
Doch im Unterrichtsalltag zeigt sich schnell, dass diese Gegenüberstellung manchmal zu kurz greifen kann.
Praxisrealität statt Methoden-Dogmatik
Wer mit heterogenen Klassen in der Sporthalle steht, merkt rasch, dass weder überwiegend isoliertes Techniküben noch ein weitgehend ungesteuertes freies Spiel für jede Lerngruppe immer und grundsätzlich funktioniert. Das eine führt oft dazu, dass die Bewegung im Spiel unter Druck nicht abgerufen werden kann, weil ein Spiel- und Situationsverständnis (noch) nicht angelegt ist. Das andere endet nicht selten darin, dass nur wenige spielstarke Schülerinnen oder Schüler das Spielgeschehen bestimmen, während der Rest kaum zum Zug kommt. Dabei bedeutet natürlich ein taktikorientierter Ansatz nicht, die Klasse einfach spielen zu lassen. Auch hier werden Spielformen gezielt verändert, Probleme besprochen und einzelne Techniken geübt.
Dennoch, dass die Debatte oft unübersichtlich ist, liegt auch an der Theorie selbst: Historisch gewachsene Konzepte treffen auf unterschiedlich übersetzte Fachbegriffe aus dem englischsprachigen Raum.
Dabei haben die verschiedenen Ansätze schlicht unterschiedliche Stärken:
- Strukturierte Übungsreihen geben Orientierung und Bewegungssicherheit, wenn komplexe Techniken neu erlernt werden müssen.
- Spiel- und Taktikmodelle schulen von Beginn an das Entscheidungsverhalten und das Verständnis für Spielsituationen. Zudem sind sie in der Regel motivierender.
Die Forschung bestätigt vor allem Vorteile der Spiel- und Taktikmodelle beim Entscheidungsverhalten. Eine aktuelle Metaanalyse mit 28 Studien und rund 1.600 Teilnehmenden fand für spielorientierte Ansätze im Durchschnitt bessere Entscheidungen im Spiel. Bei Wissen und technischer Ausführung im realen Spiel zeigte sich dagegen keine eindeutige Überlegenheit. [Quelle –>]
Ein Spiel- oder Taktikmodell funktioniert allerdings nicht automatisch besser. Schlecht geplante Spielformen können dazu führen, dass leistungsstarke Schülerinnen und Schüler dominieren und Anfängerinnen und Anfänger kaum Ballkontakte erhalten. Gerade bei schwierigen Techniken können gezielte Übungsphasen weiterhin notwendig sein.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, welches Modell grundsätzlich das beste ist – sondern welcher Ansatz zu welchem Lernziel und zu welcher Phase des Unterrichtsvorhabens oder eine Reihe passt.
Welches Vermittlungskonzept bietet in welcher Situation den größten Mehrwert? In unserer Übersicht haben wir die gängigen Sportspielvermittlungsmodelle begrifflich eingeordnet und mit ihren jeweiligen Schwerpunkten direkt gegenübergestellt. Es handelt sich dabei um einen ersten Versuch, die Konzepte etwas greifbarer zu machen und man kann sicher darüber diskutieren. Wer tiefer in die klassische Sporttheorie und die wissenschaftlichen Hintergründe/Skripte eintauchen möchte, findet auf sportunterricht.de weitere ausführliche Texte zu Thematik. Hier ein Buch* zu Thematik.
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