Dieser Artikel wurde in Kooperation mit Dr. Carsten Lueg erstellt. Er ist Orthopäde und Sportmediziner im Prävent Centrum Dortmund sowie langjähriger betreuender DFB-Arzt der Fußball-Nationalmannschaft der Frauen.

Pause
Eis
Compression
Hochlagern
Erste Hilfe bei Sportverletzungen – Ein widerkehrendes Thema im Sportunterricht.
Unfälle sind das Tagesgeschäft von Sportlehrkräften aller Schulformen. Ein falscher Tritt, ein Zusammenprall oder eine unglückliche Landung – im Sportunterricht kann es schnell zu Unfällen kommen. In solchen Momenten kommt es auf eine schnelle und korrekte Erstversorgung an, da das Handeln in den ersten Minuten nach dem Vorfall entscheidend ist.
Was im Fall der Fälle konkret zu tun ist, wissen die Sportprofis aus den immer wieder aufzufrischenden Erste-Hilfe Fortbildungen und sie entwickeln darin im Laufe ihres Berufslebens eine gewisse Routine. Doch gibt es aktuelle Entwicklungen in der Sportmedizin? Wie können Lehrer insbesondere bei orthopädischen Vorfällen optimal reagieren? Das lässt sich von ärztlicher Seite nach wie vor mit einem Klassiker beantworten – der PECH Regel.
Häufig sind bei Sportunfällen Gelenke, Sehnen, Muskeln oder Bänder betroffen. Zu den typischsten Verletzungsarten gehören Prellungen, Zerrungen sowie Verrenkungen, die eine sofortige Akut-Therapie erfordern.
Das PECH-Schema: Akut-Hilfe Schritt für Schritt
Um die gesundheitlichen Auswirkungen einer Sportverletzung so gering wie möglich zu halten, hat sich das einfache PECH-Schema in der Praxis bewährt. Da Ersthelfer in der Regel medizinische Laien sind, muss die Versorgung schnell und unkompliziert durchführbar sein.
P wie Pause

Sobald eine Verletzung auftritt, muss die betroffene Person das Sporttreiben zwingend einstellen. Der verletzte Körperbereich sollte sofort ruhiggestellt werden, um eine Verschlimmerung der Strukturschäden zu verhindern. Da Unfälle bei den Betroffenen häufig Angst und Unsicherheit auslösen, gehört es zudem zu den Aufgaben der Ersthelfenden, den Verletzten zu beruhigen und ihm Mut zuzusprechen.
E wie Eis
Durch eine unverzügliche Kältebehandlung wird verhindert, dass das Gewebe rund um die Verletzung stark anschwillt. Die Kälte sorgt dafür, dass sich die lokale Blutzirkulation verringert, was der Entstehung von Blutergüssen, Schmerzen und Entzündungsreaktionen entgegenwirkt.
- Dauer: Die Kühlung sollte für mindestens 20 Minuten aufrechterhalten werden.
- Material: Optimal geeignet sind spezielle Kühlpads oder Eisstücke, die sich in einer Plastiktüte befinden.
- Achtung: Eisspray ist für diese Akutversorgung völlig ungeeignet, da es zu lokalen Erfrierungen auf der Haut führen kann.
C wie Compression (Kompression)
Ein dosierter Druck schränkt Schwellungen und Einblutungen im Gewebe weiter ein. Der Druckverband kann entweder gleichzeitig mit der Kühlung oder direkt im Anschluss angelegt werden, wofür sich eine elastische Binde anbietet. Wichtig ist hierbei, die verletzte Stelle keinesfalls komplett abzubinden. Wird die Binde zu fest gewickelt, drohen Gewebeschäden oder Gefühlsstörungen. Der Druck darf lediglich so stark sein,
dass er den betroffenen Strukturen Stabilität verleiht.
H wie Hochlagerung
Der vierte und letzte Schritt nach der Erstversorgung ist das Hochlagern des betroffenen Körperteils. Hierdurch verringert sich der Blutzufluss in der verletzten Region, und die angesammelte Gewebeflüssigkeit kann besser abtransportiert werden, was einer Schwellung entgegenwirkt. Bei Verletzungen an Hand oder Arm sollten diese flach und oberhalb der Herzhöhe gelagert werden.
Richtiges Verhalten bei schweren Verletzungen
Liegen schwerwiegende Verletzungen wie offene Wunden, Knochenbrüche oder schwere Stürze auf den Kopf vor, müssen sofort andere Maßnahmen ergriffen werden:
- Notruf wählen: Umgehend den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 verständigen.
- Vitalfunktionen prüfen: Die Atmung und den Puls der verletzten Person sofort kontrollieren.
- Wiederbelebung: Ist kein Puls oder keine Atmung feststellbar, muss bis zum Eintreffen des Notarztes unverzüglich eine Herz-Lungen-Wiederbelebung mittels Herzdruckmassage und ggf. einem Defibrillator durchgeführt werden.
- Stabile Seitenlage: Ist die Person bewusstlos, atmet jedoch regelmäßig, muss sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dabei ist der Herzschlag kontinuierlich zu überwachen.
- Starke Blutungen: Liegt eine stark blutende Wunde vor, muss ein Druckverband angelegt werden.
Materialprüfung und ärztliche Abklärung
Selbst bei Verletzungen, die auf den ersten Blick harmlos wirken – wie beispielsweise ein umgeknickter Knöchel –, sollte im Nachgang immer eine ärztliche Abklärung stattfinden. Spezialisten wie Orthopäden oder Sportmediziner können exakt feststellen, ob Begleitschäden am Knochen oder am Knorpel vorliegen, die eine tiefergehende Therapie erfordern.
Damit die Erstversorgung im Ernstfall reibungslos funktioniert, muss in jeder Sporthalle eine funktionierende Grundausstattung bereitstehen. Der Erste-Hilfe-Kasten sollte zwingend elastische Binden, sterile Kompressen sowie Kühlpads enthalten. Es liegt in der Pflicht der Verantwortlichen, regelmäßig zu überprüfen, ob das Material vollständig vorhanden und das Haltbarkeitsdatum der Utensilien noch nicht überschritten ist.
Praxis-Tip: Für unterwegs – also an Sportstätten außerhalb der Schule ist es praktisch, wenn die Lehrkraft eine Erste-Hilfe-Tasche* zur Hand hat – entweder von der Schule bereitgestellt oder für die eigene Tasche erworben. Es empfiehlt es sich zudem Kühlpads vorrätig zu haben. Die Packungen können in größeren Gebinden erworben werden. Einzelpackungen kosten dann lediglich zwischen ca. 0,50-0,95 €, je nach Hersteller. Kühlpads mit Papierbeschichtung* eignen sich hier besonders. Ein Vergleich auf den bekannten Preisportalen ist ratsam.**
Weiterführende Informationen: Detaillierte Vorgaben und Hilfestellungen zur Ersten Hilfe in der Sporthalle finden sich auf dem du auf dem Portal der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
** Kühlpads mit Papier- oder Vliesbeschichtung sind in Schulen praktisch, weil sie:
- angenehmer und weniger rutschig auf der Haut liegen als glatte Kunststoffbeutel,
- Kondenswasser aufnehmen und dadurch weniger tropfen,
- bei Einmalprodukten hygienischer sind, da sie nach der Nutzung entsorgt werden. Natürlich sind solche Beutel weniger nachhaltig als eine mehrmals verwendbares Gelpad, aber das ist ein Konflikt, den man abwägen muss. Zudem sind diese Mehrfachpads nur einsetzbar, wenn in der Lehrerumkleide ein Kühlschrank mit Eisfach steht – und die Stromkosten sind sicher auch ein Faktor, den es zu berücksichtigen gilt. Wenn man trotzdem Gelpads* einsetzen will, lohnt es sich, Einweg-Vließhüllen* zum Fixieren mit zu bestellen oder direkt fixierbare Geldpads mit Fleecebeschichtung* zu verwenden oder direkt vorgeformte Manschetten* zu beschaffen! Diese sitzen absolut fest am Fuß, umschließen ihn fest und kühlen rundherum.
Wichtig: Auch eine Papierbeschichtung schützt nicht sicher vor Kälteschäden. Das Pad sollte nicht zu lange angewendet und bei sehr starker Kühlung zusätzlich mit einem dünnen Tuch umwickelt werden. Sofort abbrechen, wenn die Haut weiß, taub, stark gerötet oder schmerzhaft wird. Ein Kühlpad sollte nicht dauerhaft während des Unterrichts aufgelegt bleiben.
