Als „Deckungsschatten“ bezeichnet man den Raum hinter einer verteidigenden Person, in den ein Pass nur schwer oder gar nicht gespielt werden kann. Das Ziel eine Stunde könnte es sein, dieses Prinzip als Problem initiiert und bearbeitet zu haben und am Ende der Stunde eine erste einfache Lösung gefunden zu haben, wie man aus dem Deckungsschatten heraus kommt, bzw. gar nicht erst darin steht. In Folgestunden können weitere Lösungen und auch erste taktische Maßnahmen gefunden werden – Schritt für Schritt. Auch und gerade die Qualität der verschiedenen Lösungsansätze (Passgeber bewegt sich, Passempfänger bewegt sich, Passgeber spielt einen Pass über den Gegner („Bogenlampe“), Maßnahmen wie „Finten“) wird in der Folge zu thematisieren sein.

Für Kinder ist das Konzept oft schwer zu begreifen, weil der „Schatten“ unsichtbar ist, sich ständig verändert und gleichzeitig Ball, Mitspielende und Verteidigende beobachtet werden müssen. Der Begriff ist zudem abstrakt. Anschaulicher ist zunächst: „Stell dich so, dass der Gegner zwischen dir und deinem Ball und dem Mitspieler steht, den du anspielen willst.“ Diese Szene wird dann auf dem Feld besprochen. Hilfreich und vertiefend notwendig ist es jedoch, das Ausmaß des „Schattendilemmas“ auch noch anders zu verdeutlichen.
„Oldschool“-Lösungen hierzu gibt es natürlich nach wie vor und ja, sie funktionieren natürlich auch immer noch! Bisher hatte ich den Deckungsschatten zunächst auf dem Hallenboden mit Bodenmarkierungen* oder Klebeband markiert. Diese Bodenmarkierungen sind vielfältig einsetzbar und ein Klassiker in der Sporthalle, sie sind wieder verwendbar und auch geeignet um sie als Spielfeldmarkierungen zu benutzen. Manche multifunktionalen* Markierungen eignen sich auch für Bewegungsspiele, Übungsformen usw.! Zur Visualisierung des Deckungsschattens in Gesprächsphasen habe ich diesen mit statischen Folien auf einem Whiteboard, auf das ein Spielfeld gezeichnet gezeichnet war, sichtbar gemacht. Hierzu eignen sich besonders die farbigen Folien von Legamaster* die ich auf einem einfachen Whiteboard* oder auf einer statischen Folie mit vorgedruckten Spielfeldern* eingesetzt habe, insbesondere dort, wo es keinen Monitor gab. Diese technischen Möglichkeiten sind nun zum Glück fast überall vorhanden, zumindest an den meisten Schulen in meiner Stadt.
Diese Monitore oder auch IPads bieten mittlerweile erweiterte Möglichkeiten, ganz im Sinne des SAMR-Modells. Die App „Deckungsschatten Taktikboard“ ist dabei ein interaktives, digitales Taktikboard zur Visualisierung. Sie wurde speziell für den Sportunterricht entwickelt, um das taktische Konzept des Deckungsschattens (Raum hinter einem Verteidiger, in den kein direkter Pass gespielt werden kann) visuell und spielerisch zu vermitteln. Natürlich ist sie auch im Vereinsjugendtraining gut einsetzbar.
Das kann die kostenlose App im Einzelnen:
1. Interaktive Situationsanalyse & Verschieben von Spielern

Freies Platzieren: Sie können Angreifer (Ballbesitzer), Mitspieler, Verteidiger und den Ball per Drag-and-Drop frei auf dem Board bewegen.
- Dynamische Berechnung: Sobald Sie die Spieler verschieben, berechnet die App in Echtzeit die Passlinie und prüft, ob der Mitspieler anspielbar ist oder sich im Deckungsschatten befindet.
- Preset-Situationen: Es lassen sich vorgefertigte Spielsituationen auf Knopfdruck laden, um typische Probleme und Lösungen sofort zu demonstrieren.
2. Visuelle Hilfsmittel (Anzeigeoptionen)
Um das Prinzip schrittweise zu erklären, können verschiedene visuelle Ebenen flexibel ein- und ausgeblendet werden:
- Körperschatten: Zeigt die blockierte Zone direkt hinter dem Körper des Verteidigers.
- Armschatten: Berücksichtigt die zusätzliche Reichweite des Verteidigers durch ausgestreckte Arme.
- Passlinie: Visualisiert den direkten, flachen Weg des Balles vom Passgeber zum Empfänger.
- Lösungspfeile: Blendet Vorschläge ein, wohin sich der Mitspieler freilaufen oder wohin der Ballbesitzer andribbeln müsste, um einen passbaren Winkel (ein Dreieck) zu erzeugen.
3. Simulation verschiedener Passarten
- Flachpass vs. Bogenlampe: Sie können zwischen flachen Pässen und hohen Bällen (Lupfer, Chip, Lob) wechseln.
- Flugbahnbewertung: Bei hohen Bällen prüft die App logisch, ob der Ball über die Arme des Verteidigers hinwegkommt, wie lang die Flugzeit ist und ob die Landezone frei ist.
- Visuelles Feedback: Wenn ein Pass fehlschlägt (z. B. abgefangen wird), blinkt die App genau an der Stelle, an der der Fehler oder das Abfangen passiert.
4. Intelligente Status- und Logikbewertung
- Echtzeit-Status: Die App zeigt direkt an, wie die aktuelle Situation bewertet wird (z. B. „frei“, „kritisch“, „riskant“ bzw. über die Farben Grün, Gelb und Rot).
- Komplexere Szenarien: Die Logik der App unterstützt auch mehrere Spieler. Wenn ein zweiter Verteidiger aktiv ist, wird geprüft, ob dieser den Pass abfängt. Wenn ein zweiter Mitspieler eingeblendet wird, vergleicht die App beide Optionen und empfiehlt den freieren Spieler.
5. Anpassung an verschiedene Sportarten & Felder
- Spielfeldtypen: Das Board lässt sich auf verschiedene Feldtypen (z. B. für Fußball, Handball, Basketball oder ein neutrales Feld) anpassen.
- Sportartspezifischer Bezug: Die App vermittelt das Grundprinzip „Raus aus der Linie, rein in den freien Raum“, das für viele Ballsportarten gilt (z. B. Lösen gegen den Block im Handball, Backdoor-Anspiel im Basketball oder Chip-Pässe im Fußball).
6. Didaktische und Fachliche Begleitmaterialien
Direkt in der App integriert sind wertvolle Text-Hilfen für Lehrkräfte und Trainer:
- Didaktischer Kommentar: Ein Leitfaden, wie man die App methodisch im Unterricht einsetzt (z. B. erst die visuelle Hilfe ausblenden, Schüler schätzen lassen, dann die Schatten einblenden, um den Aha-Effekt zu erzielen).
- Sportfachlicher Kommentar: Definitionen darüber, was einen „freien“ Spieler wirklich ausmacht (nicht nur die Abwesenheit eines Gegners, sondern eine passbare Linie, kontrollierbare Annahme und eine sinnvolle Anschlussaktion).
7. Feineinstellungen (Customization)
In den Optionen lässt sich die Physik der Simulation manipulieren. Sie können Parameter verändern wie:
- Passgeschwindigkeit (in %)
- Schattenlänge des Verteidigers
- Breite des Körper- und Armschattens
- Bogenhöhe für hohe Bälle
Für den Unterricht stehen außerdem Animationen, veränderbare Einstellungen und ein PNG-Export des Taktikboards zur Verfügung. Ein didaktischer und ein sportfachlicher Kommentar liefern Hinweise für die gemeinsame Erarbeitung und Reflexion.
Die App ersetzt keine reale Spielsituation. Sie ist vielmehr ein kleines digitales Werkzeug, mit dem taktische Zusammenhänge anschaulich vorbereitet, unterbrochene Spielszenen analysiert und mögliche Lösungen gemeinsam entwickelt werden können. Bei der „App“ handelt es sich um „Work in Progress“ – Hinweise und Verbesserungsvorschläge können Sie gerne in den Kommentaren unter diesem Artikel machen. Noch ein Hinweis am Ende, die App braucht eine Internetanbindung in der Sporthalle – ggf. muss man sich selbst einen „Hotsport“ geben…die angeforderten Datenmengen sind minimal.
