Auftrag lesen.
Was sollst du tun? Welches Modell, welches Material und wie viele Beispiele werden verlangt?
SPORT LK / AUFGABEN VERSTEHEN
Du kennst den Stoff. Jetzt geht es darum, genau die Frage zu beantworten, die gestellt wurde.
Was sollst du tun? Welches Modell, welches Material und wie viele Beispiele werden verlangt?
Suche die Angaben, die du für diesen Auftrag brauchst: eine Bewegung, einen Messwert, eine Regel oder eine Aussage.
Verbinde die Angaben mit deinem Wissen. Erkläre die Verbindung und leite ab, was der Auftrag verlangt.
AM BEISPIEL
Zwei Viererteams spielen mit einem Ball auf schmale Zielmatten. Ein Punkt entsteht, wenn ein zugespielter Ball auf einer Zielmatte gefangen wird. Mit dem Ball darf nicht gelaufen werden. Er muss innerhalb von vier Sekunden abgespielt werden.
Entwerfen Sie für Inselball je eine Regeländerung zur Verringerung des Präzisionsdrucks und des Zeitdrucks. Erläutern Sie jeweils die Wirkung anhand von M1.
Wähle einen Hinweis.
„Entwerfen“ verlangt hier eine konkrete neue Spielregel. „Erläutern“ verlangt zusätzlich: Warum verringert diese Regel die jeweilige Anforderung? Nur zwei Begriffe zu definieren erfüllt diesen Auftrag noch nicht.
Ich ersetze die schmalen Zielmatten durch breitere Fangzonen. Der Pass muss dadurch weniger genau platziert werden, damit er zu einem Punkt führt. Die größere Zielfläche verringert den Präzisionsdruck.
Ich verlängere die Abspielfrist von vier auf sechs Sekunden. Die ballbesitzende Person erhält mehr Zeit zur Orientierung und zur Passentscheidung. Dadurch sinkt der Zeitdruck.
Sie nennt zwei konkrete Änderungen, greift die Angaben aus M1 auf und erklärt für jede Änderung den Zusammenhang mit der Druckbedingung.
VOM WISSEN ZUR ANTWORT
Bei einer Analyse reicht es selten, den Text nachzuerzählen oder nur ein Modell aufzuschreiben. Zeige, welche Materialangabe zu welchem Fachgedanken passt und warum.
„Die Zielmatten sind schmal.“
„Ein erfolgreicher Pass muss deshalb räumlich genau ankommen: hoher Präzisionsdruck.“
„Eine größere Zielfläche senkt diese Genauigkeitsanforderung.“
Lies zuerst ihre Beschreibung im Material. Welche Regeln, Bewegungen oder Probleme werden erklärt? Das bekannte Schulwissen kann trotzdem passen: Eine kleine Zielfläche stellt auch in einem neuen Spiel eine Genauigkeitsanforderung.
Das Material liefert den konkreten Fall; dein Fachwissen erklärt ihn. Du musst die neue Sportart nicht vollständig kennen, wenn die benötigten Besonderheiten im Material beschrieben sind.
Eine Teilaufgabe kann Wissen und Modelle klären, eine weitere damit das Material untersuchen und eine andere einen Plan oder ein Urteil verlangen. Lies zunächst alle drei: So erkennst du, was wohin gehört.
Die Reihenfolge ist kein starres Schema. Auch die erste Teilaufgabe kann eine anspruchsvolle Anwendung verlangen. In der dritten kann ein Lernweg statt eines Urteils gefordert sein. Entscheidend bleibt der jeweilige Wortlaut.
Bearbeite die verlangten Gesichtspunkte vollständig. „Zwei Prinzipien“ heißt: zwei passende Prinzipien erläutern und anwenden. Ein drittes ersetzt keine fehlende Begründung der ersten beiden.
Plane nach den Teilaufgaben und ihren angegebenen Punkten. Es gibt keine allgemeine Zahl von Sätzen, die eine vollständige Antwort garantiert. Prüfe lieber: Ist jede verlangte Leistung erkennbar?
Der Erwartungshorizont benennt die bewertbaren Leistungen. Die Musterlösung zeigt, wie man diese Leistungen in einer zusammenhängenden Antwort erfüllen kann.
Beim Beispiel brauchst du die zwei Regeländerungen, ihren Materialbezug und ihre fachliche Erklärung. Du musst dafür nicht dieselben Sätze verwenden. Zusätzliche Beispiele im Bewertungsraster können mögliche Ausführungen zeigen; lies die Formulierungen genau, statt jede Beispielzeile als neue Pflichtaufgabe zu behandeln.
Beim Lernen: Antworte zuerst selbst. Vergleiche danach, welche Leistung du schon zeigst und welche Verbindung noch fehlt. Multiple Choice hilft beim Erkennen; mit einer eigenen kurzen Erklärung übst du das Formulieren.
NACHSCHLAGEN
Öffne das Wort aus deiner Aufgabe. Der übrige Auftrag legt fest, worauf du es anwendest.
Gib Merkmale oder Zusammenhänge geordnet und fachsprachlich wieder.
Beispiel: „Person A geht in die Hocke, streckt Beine und Hüfte und schwingt beide Arme nach oben.“
Eine erkennbare Bewegung beschreiben und ihre Ursache erklären sind unterschiedliche Leistungen.
Erklären: Zeige einen fachlichen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Erläutern: Mache den Zusammenhang am konkreten Fall verständlich.
Beispiel: „Die längere Abspielfrist gibt mehr Zeit zur Orientierung. Deshalb wird der Zeitdruck geringer.“
Untersuche den Fall anhand der verlangten Gesichtspunkte und arbeite Zusammenhänge heraus.
Beispiel: „Die schmalen Zielmatten verlangen genau platzierte Pässe. Im KAR betrifft dies den Präzisionsdruck.“
Untersuche beide Seiten anhand derselben Kriterien. Benenne Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Beispiel: „Beide Formen verlangen einen Pass auf eine Zielmatte. Form B lässt weniger Zeit zum Abspielen und hat deshalb einen höheren Zeitdruck.“
Formuliere ein konkretes Konzept oder führe eine Idee schrittweise weiter. Begründe die Schritte, wenn der Auftrag das verlangt.
Beispiel: „Zunächst üben drei Angreifende gegen eine verteidigende Person. Nach einer Reflexion zum Freilaufen folgt eine passende Übung und danach erneut das Spiel.“
Beurteilen: Entscheide mit fachlichen Kriterien. Bewerten: Lege Werte und Normen zugrunde. Erörtern: Wäge unterschiedliche Positionen ab.
Beispiel: „Mehr Ballzeit kann Anfängerinnen und Anfängern Entscheidungen erleichtern, aber den Spielfluss verlangsamen. Für diese Lerngruppe ist die längere Frist zunächst sinnvoll, weil das Erkennen freier Passwege Vorrang hat.“
Ein Urteil braucht Gründe und einen erkennbaren Maßstab. „Ich finde es gut“ genügt dafür nicht.
VOR DEM ABGEBEN
FÜR AUSBILDUNG & UNTERRICHT
Die Aufgabe verbindet eine fachliche Kompetenz mit einem konkreten Gegenstand und einer erkennbaren Antwortleistung. Diese drei Entscheidungen müssen zusammenpassen.
Fachlicher Kern: Was sollen die Lernenden zeigen? Beispielsweise: Druckbedingungen unterscheiden und gezielt verändern.
Material: Welche Angaben ermöglichen diese Leistung? Beim Inselball sind die schmale Zielfläche und die kurze Abspielfrist entscheidend. Ohne diese Angaben wäre die begründete Veränderung kaum am Fall überprüfbar.
Arbeitsauftrag: Welches Produkt soll entstehen? Eine Erklärung, ein Vergleich, ein begründeter Plan oder ein Urteil. Operator, Anzahl und Fallbezug machen die Leistung sichtbar.
Erwartungshorizont: Welche fachlichen Beziehungen sollen in der Antwort erkennbar werden? Er bildet den Auftrag ab und fügt keine unangekündigten Zusatzaufgaben hinzu.
Die Analyse benennt eine Anforderung; der Vorschlag verändert genau diese Anforderung. Eine größere Fangzone ist begründbar, weil die vorherige Analyse räumliche Genauigkeit als Problem herausgearbeitet hat. Dieselbe Verbindung trägt die Rückmeldung zur Antwort.
| Aufgabenweg | Beispiel | Woran die Leistung erkennbar wird |
|---|---|---|
| Beobachtung erklären | Stockende und später flüssige Bewegung mit Lernphasen verbinden. | Modellgedanke und Bewegungsbeleg sind nachvollziehbar verknüpft. |
| Daten auswerten | Kraftwert und Muskelquerschnitt vor und nach Training untersuchen. | Befunde werden richtig beschrieben und mit passenden Anpassungen erklärt. |
| Zwei Fälle vergleichen | Zwei Bewegungen anhand derselben biomechanischen Prinzipien untersuchen. | Gemeinsame Kriterien führen zu ausdrücklichen Vergleichsaussagen. |
| Eine Bedingung verändern | Zielfläche oder Abspielfrist im Spiel ändern. | Die konkrete Änderung und ihre Wirkung auf die Anforderung werden erklärt. |
| Aus einem Problem einen Lernweg entwickeln | Zusammenlaufen am Ball durch einen Lernweg zum Freilaufen bearbeiten. | Ausgangsspiel, Reflexion, Übung und erneutes Spiel bearbeiten dasselbe Problem. |
| Positionen abwägen | Ein Sportangebot unter Leistungs-, Gesundheits- oder Fairnesskriterien beurteilen. | Kriterien, Materialargumente, Gewichtung und Schlussurteil passen zusammen. |
Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben.
Eine Aufgabe kann mehrere dieser Wege verbinden. Das verbindende Problem hält die Teilaufgaben zusammen; jede Teilaufgabe verlangt dennoch ihre eigene Leistung.
In der Abiturprüfung müssen alle drei Bereiche berücksichtigt werden; den Schwerpunkt bildet AFB II. Kernlehrplan Sport, Kapitel 4 ↗
Die Position einer Teilaufgabe ist keine automatische Zuordnung zum Anforderungsbereich. Ein Operator allein beschreibt auch noch nicht ihre gesamte Schwierigkeit: Material, Vertrautheit, Zahl der Beziehungen und verlangte Selbstständigkeit wirken zusammen. Die NRW-Operatorenübersicht ↗ nennt für einige Operatoren mehrere mögliche Bereiche.
Die Sportart bleibt der gemeinsame Gegenstand. Fachliche Zugänge und Antwortprodukte wechseln. Die dritte Teilaufgabe muss deshalb kein zusätzliches Urteil enthalten, wenn ein begründeter Lernweg bereits ihr Ziel ist.
Beim Beispiel werden eine konkrete Regeländerung, ihr Bezug zur Ausgangssituation und die fachliche Erklärung ihrer Wirkung beurteilt. Die Qualität liegt in diesen Beziehungen, nicht in der Übereinstimmung mit einem vorgegebenen Satz.
Notwendige Antwortbestandteile und mögliche Beispiele sollten im Raster sprachlich unterscheidbar sein. Alternative fachlich tragfähige Lösungen brauchen Raum, sofern sie den Auftrag erfüllen. Eine lange Liste von Beispielen darf den sichtbaren Auftrag nicht nachträglich vergrößern.
Mehr Materialstellen, mehrere Modelle, widersprüchliche Befunde oder eine offenere Entscheidung können eine Aufgabe anspruchsvoller machen. Eine unnötig verschachtelte Formulierung tut dies nicht sinnvoll. Vorgaben wie „zwei Prinzipien“ begrenzen den erwarteten Umfang.
Neues Kontextwissen kann im Material bereitgestellt werden. Fachwissen, das für die Lösung vorausgesetzt wird, muss zum Unterricht und zu den geltenden Vorgaben passen. Ein Mustertext sollte keine Spezialkenntnisse verlangen, die weder erarbeitet noch bereitgestellt wurden.
Multiple Choice kann typische Verwechslungen sichtbar machen: etwa Zeitdruck statt Situationsdruck oder eine Definition statt einer Anwendung. Ein anschließender Materialbeleg und eine eigene kurze Begründung führen zur schriftlichen Antwort. Nach einem bearbeiteten Beispiel sollte ein veränderter Fall folgen, damit die Lernenden den Zusammenhang übertragen.
Lassen Sie zu einer Teilaufgabe Fachwissen, notwendige Materialangaben, verlangtes Antwortprodukt und Bewertungskriterien benennen. Prüfen Sie anschließend: Kann die Aufgabe mit diesen Voraussetzungen gelöst werden? Beurteilt das Raster genau diese Leistung?
Die Erklärungen und Beispiele auf dieser Seite sind Lernhilfen. Die offiziellen Dokumente legen die Anforderungen und die jeweiligen Fokussierungen fest.