… bewusster wahrnehmen, reichen dafür auf Dauer nicht aus.
Konkret heißt das: Am Ende der Stunde sollte ein Ergebnis stehen, das die Lernenden mitnehmen können. Etwas zugespitzt muss sich die Lehrkraft fragen:
Warum hat es sich gelohnt, dass diese Schülerinnen und Schüler eine Stunde ihres Lebens in diesen Unterricht investiert haben?
Lautet die Antwort allein: „Sie hatten Spaß, haben sich wohlgefühlt, sich bewegt und eine freudvolle Stunde erlebt“, dann kann das im Einzelfall durchaus sinnvoll und wertvoll sein. Freude an Bewegung, Begeisterung und gemeinsames sportliches Handeln sind wichtige Bestandteile des Sportunterrichts und häufig sogar Voraussetzungen für nachhaltiges Lernen. Als langfristig tragfähige Grundlage eines erziehenden und kompetenzorientierten Sportunterrichts reichen sie allein jedoch nicht aus – insbesondere am Gymnasium und in der gymnasialen Oberstufe.
Die investierte Unterrichtszeit sollte deshalb einen erkennbaren Mehrwert im Sinne eines Lernzuwachses erzeugen: Ein Problem wird bearbeitet, eine Lösung erprobt, ein Ergebnis gesichert und möglichst auf andere Situationen übertragen. Die Schülerinnen und Schüler können, wissen, verstehen, beurteilen oder gestalten anschließend etwas, das vorher so noch nicht vorhanden oder ihnen zumindest noch nicht bewusst war.
Das müssen keine tiefschürfenden theoretischen Erkenntnisse sein. Häufig geht es um kleine, aber fachlich bedeutsame Zusammenhänge oder Teilaspekte, die sich gerade durch das praktische Erleben erschließen. Was unterscheidet beispielsweise Hängen, Hangeln und Schwingen? Wie lassen sich diese FertigkeitenFähigkeit vs. FertigkeitIm sportlichen Sinn sind Fähigkeiten die allgemeinen Voraussetzungen für Bewegung, also eher grundlegende Leistungsvoraussetzungen wie Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer oder Koordination. Fertigkeiten sind dagegen erlernte, geübte und meist automatisierte Bewegungsabläufe, etwa ein sauberer Handstand, Kraulschwimmen oder ein Korbleger.Einfacher MerksatzFähigkeiten = das Potenzial bzw. die Grundlage.Fertigkeiten = die konkret ausgeführte, gelernte Bewegung. verbessern? Was erleichtert oder hemmt die Bewegung? Welche biomechanischen Zusammenhänge werden sichtbar und welche anatomischen Strukturen sind beteiligt?
Dabei muss nicht jede Frage vollständig beantwortet werden. Auch ein präzise erarbeiteter Teilaspekt kann einen echten Lernertrag darstellen. Entscheidend ist, dass etwas Neues entstanden ist: eine verbesserte Bewegung, eine bewusstere Wahrnehmung, eine tragfähigere Lösung oder eine nachvollziehbare Erkenntnis. Genau das soll am Ende im Wortsinn „hängen bleiben“ und später erneut aufgegriffen, übertragen oder angewendet werden können.
Der besondere Reiz liegt darin, dass Anfang und Ende bewusst aufeinander bezogen werden. Die Stunde beginnt mit einer Frage, einer Irritation oder einem sportpraktischen Problem. Am Ende kehrt sie genau dorthin zurück:
Was wollten wir herausfinden oder verbessern? Was haben wir erprobt? Was ist dabei herausgekommen? Und woran können wir erkennen, dass wir nun tatsächlich weiter sind?
So wird der rote Faden nicht nur von der Lehrkraft geplant, sondern für die Lernenden sichtbar geschlossen.